Betriebshof und Garage mit naturbelassenen Oberflächen
Wie sich zwei Arbeitsgebäude leise auf einem denkmalgeschützten Friedhof einfügen — und dabei mit Puristik im Material bestechen.
Der Parkfriedhof Lichterfelde steht unter Denkmalschutz. Er trägt eine eigene Geschichte und eine eigene Atmosphäre. Hier zu bauen bedeutet also Verantwortung gegenüber dem Ort und seinen Besuchern, gegenüber dem, was der Friedhof bedeutet. Gebraucht wurden zwei handfeste Zweckbauten: eine Garage sowie ein Personalgebäude für die Friedhofsgärtner und die Baumpflegekolonne des Bezirks. Keine repräsentativen Gebäude, sondern Orte der Arbeit — bescheiden im Anspruch, aber wichtig in ihrer Aufgabe.
Der Entwurf übt sich in Zurückhaltung: Die neuen Gebäude ordnen sich dem Bestand unter. In ihrer geringen Höhe orientieren sie sich an den benachbarten Eingangspavillons des Parkfriedhofs und drängen sich nicht in den Vordergrund. Die Baukörper sind parallel zur Appenzeller Straße ausgerichtet, um die angrenzende Wohnbebauung vor dem Lärm des Betriebsalltags zu schützen.
Zur Straße hin zeigen die Gebäude eine geschlossene Seite. Die Fassaden im Nordosten sind weitgehend verschlossen; ein schmaler Nebenraumriegel wird lediglich über einige Fensterschlitze belichtet. Nach Südwesten aber öffnen sich die Bauten: Raumhohe Fassaden aus lichtdurchlässigen Polycarbonat-Stegplatten und Glasfenstertüren lassen das Tageslicht tief in die Innenräume fallen und verbinden Arbeitsalltag und Landschaft. Draußen der Friedhof, drinnen das Werkzeug — und dazwischen eine Hülle, die beides verbindet.
Die Gebäude sind als Holzskelettbauten auf einer Stahlbetonbodenplatte errichtet, die zum Teil über dem Boden schwebt, und kostenbewusst mit natürlich belassenen Oberflächen konstruiert. Kein Material verbirgt sich hinter einem anderen. Was zu sehen ist, ist das, was das Gebäude trägt. Diese Bescheidenheit passt zum Ort. Auch die Innenausstattung ist bewusst puristisch und praktisch gehalten; die Räume strahlen dennoch Behaglichkeit aus.
„Eine Anerkennung beim Holzbaupreis für eine Friedhofsgärtnergarage? Ja, die Jury hat sich für den Betriebshof der Baumpflegekolonne in Berlin-Lichterfelde entschieden, da es sich um einen vorbildlichen Gewerbebau von hoher gestalterischer Qualität handelt.“
Jury, Deutscher Holzbaupreis 2013