Feuerwehr, Ausbildungszentrum und Katastrophenschutz unter einem Dach
Wie eine „Gläserne Feuerwehr“ viel mehr leistet als einfach nur Brände zu löschen – und in einem Haus gleich drei Funktionen auf einmal vereint.
Die bestehende Hauptfeuerwache der Stadt Gießen war veraltet und räumlich nicht mehr erweiterbar. Ein moderner Neubau auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots „Am alten Flughafen“ vereint nun drei Funktionen unter einem Dach, die zuvor getrennt arbeiteten: die Berufsfeuerwehr der Stadt, das Feuerwehrtechnische Zentrum des Landkreises und die Leitstelle für den Katastrophenschutz. Hinzu kommt das Ausbildungszentrum für die Freiwillige Feuerwehr. Mit den dadurch entstehenden Synergien bei Personal und Infrastruktur ist der Brand- und Gefahrenschutz für Stadt und Landkreis Gießen zukunftssicher aufgestellt.
Zweigeschossig angelegt öffnet sich das Gebäude deutlich zum öffentlichen Raum. Fahrzeughallen und Werkstätten sind in zwei Gebäudeflügeln untergebracht, die einen gemeinsamen Werkstatthof umschließen — das Herz des operativen Betriebs. Der Übungsturm mit seinen Außenflächen schließt im nördlichen Teil des Grundstücks an. Gezielte Einschnitte in das Gebäudevolumen gliedern die Fassaden und schaffen Pointierungen. Was groß ist, wirkt so nicht massig.
„Das Projekt ist durch seine Schlichtheit und Ästhetik ein Gewinn für die Stadt Gießen und ein hervorragendes Beispiel für den erfolgreichen Umgang mit Baukultur.“
Jury, Deutscher Fassadenpreis 2024
Man betritt das Haus über einen gemeinsamen Haupteingang. Das Foyer bildet über beide Geschosse die Schnittstelle zwischen den Nutzungen der städtischen Berufsfeuerwehr und des Landkreises. Im Erdgeschoss erschließen sich die Schulungsräume über einen breit angelegten Kommunikationsflur; im Obergeschoss liegen Büros, Leitstelle sowie die Ruhe- und Aufenthaltsräume der Feuerwehr.
Das Tragwerk steht als Stahlbeton-Skelettbau; davor hängt eine nichttragende hinterlüftete Fassade aus vorgefertigten Holzrahmenbauelementen. Über die geschlossenen Felder zieht sich ein gefaltetes, rot lackiertes Aluminiumblech, dessen gegenläufige Drehung das Gebäude in horizontale Bänder schichtet. Je nach Lichteinfall und Tageszeit wirkt die Fassade stets anders: von zartem Rosa über kräftiges Orange bis hin zu tiefen Rot- und Brauntönen, von nahezu flächig und soft bis kantig und dynamisch.
„Die einfache Methode, das Faltblech zu drehen, sorgt für Spannung und ein interessantes Lichtspiel. Die horizontale Schichtung offenbart die Nutzungen nach außen durch die unterschiedlichen Raumhöhen und die Höhe der Bänder.“
Jury, Deutscher Fassadenpreis 2024