Ein Gedenkort für Revolutionäre
Über deutsche Geschichte und die Neuerfindung der Pergola — und wie diese sich behutsam zwischen Bäume und Geschichte einfügt.
Der Friedhof der Märzgefallenen befindet sich im Berliner Volkspark Friedrichshain und ist ein Denkmal für die gefallenen Barrikadenkämpferinnen und -kämpfer der Märzrevolution von 1848. Insgesamt 255 Gräber sind hier zu finden – die Gedenkstätte wurde seinerzeit durch die Revolutionäre selbst für die Opfer in ihren eigenen Reihen geschaffen. Als Gedenkort gewinnt der Friedhof immer stärker an Bedeutung, die Besucherzahlen steigen seit Jahren – der vorhandene Container als Notbehelf reicht für die Bildungsarbeit nicht mehr aus. Der Bezirk möchte ein Informationszentrum schaffen, das den Stellenwert einer nationalen Gedenkstätte erreicht.
Das Besucherzentrum für den Gedenkort entsteht in unmittelbarer Nähe zum Friedhofsgelände, auf einem extra geschaffenen Grundstück des benachbarten Vivantes Klinikums. Als schmaler, solitärer Riegel rückt es bewusst von der historischen Begrenzungsmauer ab – so entsteht dazwischen ein großzügiges Plateau, ein hochwertiger Freiraum, der vielfältig nutzbar ist und das neue Gebäude sanft in die Parklandschaft einbettet.
Der Entwurf interpretiert die Typologie der Pergola neu und überführt sie in ein architektonisch-freiraumplanerisches Gesamtkonzept. Ein transparenter, flacher Baukörper mit einer Außenhaut aus vertikalen Holzlamellen verbindet sich auf subtile Weise mit der Parkanlage. So entsteht eine Kubatur, die als Filter zwischen Innen- und Außenraum wirkt und die Funktionen Gedenken und Information räumlich zusammenführt.
Terrasse und Eingangssteg ruhen nur auf Punktfundamenten – eine Konstruktion, die nicht nur alle Bäume erhält, sondern auch ihre empfindlichen Wurzelbereiche von Bebauung freihält. So entsteht über dem Gelände ein eigenes, flaches und homogenes Niveau: Der Steg schwebt über den unveränderten Pflanzungen, ohne in sie einzugreifen.